Kunnunurra - Stuart Highway

11. Juni 2012

Der Truck ist startklar, es geht weiter! Erst noch ein Stopp am Shopping-Center, Brot und Geld holen. Das ist schnell erledigt und los gehts.
Auf dem Victoria Highway bis zur Abzweigung und dann Richtung Halls Creek abbiegen. Die ursprüngliche Überlegung war, in die Bungle Bungles zu fahren und dort zwei Nächte zu bleiben. Das wurde umgeändert in einen Flug von Turkey Creek über die Bungles zu machen. Mal sehen, ob und wann wir fliegen können.
Gemütlich werden die 200 Kilometer bis zum Roadhaus gefahren. Dort bleiben wir die Nacht. Ein Spaziergang zum Slingair Büro. Da hängt nur ein Schild: bin auf dem Airfield. Ok, dann besuchen wir mal das Flugfeld. Der junge Mann geht mit uns ins Büro um zu sehen, wann noch Plätze verfügbar sind.
Und dann kommt die Frage nach dem Gewicht. Sorry, die Hubschrauber die hier in Warnum stationiert sind, haben ein Gewichtslimit pro Sitz, da liegen sie leider darüber, bekommt Dieter zu hören. Die Hubschrauber in den Bungles (anderes Model) haben dieses Limit nicht. Die Fahrt in die Bungles wollen wir ja gerade vermeiden. Was nun? Da werde ich alleine fliegen.

Um 9.00 Uhr ist noch ein Platz frei. Der junge Mann fragt, ob die Tür angebracht werden soll. Nein, offen lassen. Dann morgen lange Hosen anziehen und eine dicke Jacke mitbringen. Beim fliegen wird es kalt. Alles zu Hause lassen, nur die Kamera mitbringen. Haare zusammen binden, das sind die nächsten Instruktionen.

12. Juni 2012

Nicht nur beim fliegen wird es kalt, auch in der Nacht. Ganz schön frisch, nur 7 Grad.
Kurz vor 9.00 Uhr stehen 5 Personen vorm Büro. 3 fliegen jetzt, 2 später. Wie ist den der Weg in die Bungles? wird gefragt. Very rough. Für die 53 km braucht man 2,5 – 3 Stunden. Alle die heute Morgen fliegen, wollen sich das ersparen.

Es erfolgen die Sicherheitsinstruktionen. Das Anzeigen des Notausgangs entfällt, meint Keith, jeder hat ja seinen eigenen. Schon sind alle auf dem Weg zum Flugfeld. Jo ist der Pilot und gibt eine kurze Erklärung zum Flugzeug ab. Die Maschine fliegt mit einer Geschwindigkeit von 180 Km/Std, würde sich aber in der Luft nur wie 50 anfühlen. Alle in die warmen Sachen schlüpfen und einsteigen.

Los gehts, der Hubschrauber hebt ab. Und schon sind alle über die dicken Sachen froh. Das bläst ganz ordentlich durch die offenen Seiten. Jo erklärt, wo wir fliegen, die Entdeckungsgeschichte der Bungles und erkundigt sich immer wieder, wie es den Damen auf den hinteren Sitzen den so geht. Daumen hoch! Prima.

Die 45 Minuten sind schnell vorbei, schon landet der Hubschrauber wieder in Warnum. Dieter wartet schon am Büro auf mich. Alles klar, jetzt können wir nach Halls Creek starten.

In Halls Creek angekommen, suchen wir die Tourist-Info auf. Vielleicht haben die ja aktuellere Kenntnisse über den Zustand des Buntine- und des Bucchanan Highway. Der Mann am Schalter weiss nur, dass beide Strassen wieder offen sind, thats it.

Die Nacht bleiben wir in der Stadt, morgen geht es weiter.

Wir sitzen vorm Camper, als zwei junge Frauen kommen und fragen, ob wir nach Broome fahren. Nein, in die andere Richtung. Es sind 2 Mädels aus München, die sich in Cairns ein Auto gekauft haben, das Ol verloren hat. Sie hätten halt unterwegs immer wieder Öl nachgefüllt. Aber, kurz vor Halls Creek sei das Auto stehen geblieben und habe stark gequalmt. Man habe sie in die Werkstatt geschleppt, aber die Reparatur koste mindestens 3000 $ und das sei zuviel. Jetzt suchen sie eine Mitfahrgelegenheit nach Broome. Jetzt fragen sie alle Leute auf dem Campingplatz. Sie kommen nochmal bei uns vorbei. Vielleicht würden sie von 2 Frauen mitgenommen. Ob die nach Broome fahren hängt davon ab, ob sie Arbeit bekommen.

13. Juni 2012

Der Nachbar von schräg gegenüber kommt noch auf ein Guten Morgen Schwätzchen vorbei. Der 86-jährige Mann lebt seit seinem 14 Lebensjahr im Outback. Er habe auf Farmen gearbeitet und sei immer unterwegs gewesen. Geheiratet habe er nicht. Einmal gab es eine Frau, die er sehr gemocht hat. Aber, seine innere Stimme habe Nein gesagt, als er sich die Frage nach einer Heirat gestellt hat. So sei er halt allein geblieben. In Halls Creek sei er, weil sein Auto kaputt sei. Kein Wunder, ist ein 1966er Ford Transit mit Wohnaufbau. Da wird es sicherlich schwer, Ersatzteile zu bekommen. Vor allem in Halls Creek. Unglaublich, wie viel ältere Leute noch auf Achse sind.

Zusammen gepackt ist, es kann los gehen. Erst muss aber noch der Tank sowie der Zusatztank aufgefüllt werden. In Halls Creek ist der Sprit so günstig wie schon lange nicht mehr. Diesel kostet an der Shell (Coles Express) 1,74$ und es werden für den Voucher noch 4 Cent abgezogen. Mit 210 $ sind wir dabei.

Den ersten Stopp machen wir bei Old Halls Creek. Von der Stadt sind nur noch Ruinen vorhanden. Wenn treffen wir auf dem Parkplatz, das Ehepaar, mit denen ich im Hubschrauber geflogen bin.

Die Frau meint, wir sollen uns den Pioneer Cementry ansehen. Da liege der Aboriginie Darcy begraben. Warte, ich erzähle die Geschichte dazu. Darcy arbeitete auf der Ruby Plains Station und ist vom Pferd gefallen. Sein Freund brachte ihn nach Halls Creek. Dort gab es weder einen Arzt noch ein Hospital. Der Postmeister versuchte die Ärzte in Wyndham und Derby zu erreichen. Beide waren in Urlaub. Telegrafisch hat er in Perth Dr. Holland erreicht. Der stellte die Diagnose und befand, dass Darcy operiert werden muss, vom Postmeister. Ohne medizinisches Gerät oder Betäubungsmittel. Die Anweisungen kamen über den Morseapparat.

Es kam nach der Operation zu Komplikationen und Dr. Holland reiste aus Perth an. Das dauerte einige Tage, alleine von Fitzroy nach Halls Creek war er 6 Tage unterwegs. Aber, er kam einen Tag zu spät, Darcy war verstorben. Aber nicht am Sturz oder der Operation, sondern an Malaria.

Dieses Ereignis hat dazu geführt, dass über die medizinische Versorgung der Bevölkerung im Outback nachgedacht wurde und von John Flynn der Royal Flying Doctor Service gegründet wurde.

Nach soviel geschichtlichem haben wir uns natürlich den Friedhof angesehen und das Grab gefunden.

Von Old Halls Creek sind es nur ca. 30 Kilometer bis Palm Springs. Der Camper wird geparkt, hier bleiben wir heute Nacht.

Es ist 5.30 Uhr und schon stockdunkel. Um 18.00 Uhr liegen wir mit einem Buch im Bett. Mit dem Ergebniss, dass um Mitternacht die erste Schlafunterbrechung erfolgt. Wieder eine Weile lesen. Licht aus und weiterschlafen

14. Juni 2012

Wir sind früh wach, sind ja auch früh ins Bett gegangen. Frühstück, einpacken und schon sind wir wieder auf der Duncan Road unterwegs.

Die Landschaft ist abwechslungsreich. Flache, nur mit Gras bewachsene Flächen wechseln mit Buschland und hügeligem Gelände. In dieser Gegend gibt es sehr grosse Farmen, die Rinder züchten. Die Strassen sind nicht eingezäunt (unfenced Road) und so laufen die Tiere auch schon mal vorm Auto über die Strasse. An einer Stelle haben sie eine regelrechte Strassensperre gebildet. Quer über die Strasse und die Köpfe unserem Truck zugewandt. Sie überlegen es sich noch mal, kurz bevor der Camper sie erreicht hat, traben sie gemütlich von der Strasse.

1 Känguru hüpft über die Strasse. Das erste Lebende, das wir seit Mount Elisabeth Station gesehen haben.

Wir biegen auf den Buntine Highway ein und kommen nach einigen Kilometern an ein Grid, die Staatsgrenze Westaustralien / Northern Territory. Ab hier gehen die Uhren anders und müssen 1,5 Stunden vorgestellt werden.

Wellensittichschwärme kreuzen den Weg. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie der ganze Schwarm die Richtung wechselt, ohne das einige Tiere gegeneinander fliegen.

Gegen 16.30 Uhr erreichen wir Kalkarindji. Bereits vorm Ort weisen Schilder auf die Alkoholrestrictions hin.

Den Schlüssel für den Caravanpark gibt es im Store/Tankstelle. Vorm Store sitzen viele Aboriginies, laufen Hunde und Müll liegt herum. Kein angenehmer Anblick. Der Storemanager ist, wie so oft, ein weisser Australier. Er schickt mich an die Kasse, die Gebühr bezahlen. Mit der Quittung bekomme ich den Schlüssel für das Tor zum Platz und die sanitären Anlagen ausgehändigt mit den Worten: Das Tor abschliessen und niemanden herein lassen. Hhmm, so hoch ist der Zaun auch nicht, wer da rein will kommt auch so herein.

17.00 Uhr, der Store schliesst, es wird leer und ruhig.

15. Juni 2012

weiter geht es über den Buntine Highway

6.30 Uhr und es ist noch dunkel! Daran muss man sich erst gewöhnen. Zum Frühstück gibt es das Brot, was wir noch in Halls Creek gekauft haben. Das ist sowas von labbrig. Kann man auch Watte essen.

Kurz vor 9.00 Uhr wird es vorm Store lebendig, die Ersten sitzen und stehen schon vor der Tür. Schon so früh und so viel Betrieb. Bei der Schlüsselrückgabe frage ich die Frau hinterm Schalter ob was los sei. Die Antwort: Es ist Zahlwoche. Alle 14 Tage wird Geld gezahlt, dann ist immer viel Betrieb.

Wir verlassen den Platz und fahren weiter auf dem Buntine Highway Richtung Top Springs. Kurz vorm Ortsausgang ein Hinweisschild „Fussgänger“ und die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 40 Kilometer. Weit und breit ist kein Haus oder Sonstiges zu sehen. Da kommt ein Grid in sicht, anscheinend die Stadtgrenze. Hinter dem Grid ein Schrottauto, Müll und viele, viele leere Bierdosen. Das kann doch nur bedeuten, in der Stadt darf kein Alkohol getrunken werden, ausserhalb schon.

Um die Mittagszeit erreichen wir Top Springs, Fahrtende. Da es noch so früh ist und ich keine Lust auf dieses labbrige Brot habe, wird Teig für ein Weissbrot angesetzt. Das wird im Campoven gebacken.

Auf der Strecke von Halls Creek bis Top Springs haben wir viele Raubvögel am Himmel gesehen. Leider kann ich nicht sagen, um welche Arten es sich handelt.

Ein Outbackpub ist immer einen Besuch wert. Beim kühlen Bier wird überlegt, was gibt es denn zum Abendessen? Schnelle Entscheidung, Wir essen auswärts und teilen eine Grillplatte.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit sind Papageien eingeflogen. Viele sitzen im Baum über dem Camper und machen einen Höllenlärm. Na dann, gute Nacht.

16. Juni 2012

Das war eine laute Nacht. Nicht nur Krach vom Generator, nein, auch die Vögel machen die ganze Nacht Lärm. Da war an einen ruhigen Schlaf nicht zu denken.

Beizeiten sind wir auf und machen den Camper reisefertig. Das duschen wird auf später verschoben, die sanitären Anlagen sind nicht so einladend. Schon ist der Truck fahrbereit und los gehts. Weiter über den Bucchanan Highway. Auch hier gibt es ausser Landschaft nicht viel zu sehen. Die Strasse ist in einem recht guten Zustand, auf den letzten 20 Kilomtern nehmen die Korrugations zu. Der Stuart Highway ist erreicht. Der Tank ist schon ziemlich leer, das nächste Roadhaus ist Dunmara. Ist zwar entgegengesetzt der heutigen Route, aber nur 8 Kilometer.

Der Tank ist voll, jetzt wird der Koffeinspiegel bei uns nachgefüllt, mit einem frisch gebrühten Kaffee.

Gestärkt geht die Fahrt weiter, nach Norden bis zum ältesten Pum im NT, in Daly Waters. Was ist denn hier los??? Es ist gerade mal 12.00 Uhr und vor der Einfahrt zum Caravanpark steht schon eine lange Schlange wartender Gespanne und Wohnmobile. Ein Bus mit Ausflüglern steht vorm Pub, ist das ein Betrieb. Jetzt erst mal einen Stellplatz sichern. Die Rezeption ist im Pub. Die Formalitäten sind erledigt, der Stellplatz bezahlt. Jetzt ist Zeit für die diversen Ankündigungen. Von 17.30 Uhr – 18.30 Uhr ist Happy Hour, da kostet das Bier nur 3 $. Abends gibt es Beef & Barra vom BBQ. Wenn wir essen möchten, dann muss vorgebucht werden. Das überlegen wir uns, ist ja noch Zeit. Ab 19.30 Uhr ist Life-Entertainment.

Mit dem Camper reihen wir uns in die Schlange ein. Jedes Auto wird von John eingewiesen. Der fährt mit dem Fahrrad voraus und zeigt, wo und wie das Wohnmobil gestellt werden soll. Mit der Frage: is the Truck fixed? werden wir überrascht. Das sind doch die Nachbarn aus dem Disaster-Corner in Kununurra. Diejenigen, die mit der gebrochenen Feder von der Tanami gekommen sind.

John kommt angefahren und bringt uns an den zugewiesenen Platz. Die Wagen stehen ganz schön eng, da ergibt sich der Kontakt mit dem Nachbarn von selbst.

Der Camper ist wohnfertig. Inzwischen ist die Entscheidung gefallen, bei uns bleibt die Küche kalt, es gibt Beef und Barra vom BBQ. Erst einen Rundgang machen, dann gleich die Bestellung aufgeben. Auf dem Rückweg sehen wir an einem Wohnwagen das Schild: Hairdressing 10$. Ein Haarschnitt ist fällig, warum nicht gleich hier. Ein Kunde wird schon bedient, die nächste Kundin wartet schon. Erst mal duschen, dann sehen wir weiter. Das war eine gute Entscheidung, alle Wartenden sind abgearbeitet, es kann gleich losgehen.

Das Ehepaar kommt aus Brisbane und reist rund um Australien. Das Haare schneiden ist eine willkommene Aufbesserung des Reisebudgets. Und, da die Welt ja klein ist, die Mutter des Mannes kommt aus Offenbach!

Bei Gesprächen mit den Nachbarn geht die Zeit schnell herum. Schon ist die Happy Hour eingeläutet. Wir suchen uns einen Platz von dem aus die Bühne gut zu sehen ist. Bei der Essensbestellung musste man sich entscheiden, um welche Uhrzeit das Steak fertig sein soll. Immer im ½ Stundentakt.19.00 Uhr ist eine gute Zeit. Wenn nicht so ein grosser Andrang ist, können wir den Sitzplatz ja behalten.

Eine ganze Menge Teller stehen bereit. Schon liegen die Steaks auf dem Grill. Die Namen werden aufgerufen, das fertige Essen kann abgeholt werden. Salat und Damper stehen am Buffet bereit. Das Steak ist wie bestellt, medium, und superzart, der Fisch genau auf den Punkt gegart. Tolle Leistung bei so vielen Bestellungen.

Bevor das Entertainment losgeht, kommt noch eine Ansage: heute Abend wurde die 4000 ste Portion Barra & Steak verkauft, an ein Ehepaar aus Tasmanien. Die Beiden bekommen eine Flasche Wein zum Essen dazu. Im Jahr werden ca. 10.000 Portionen zubereitet.

Der Künstler des Abends ist Chilli – bei uns würde man ihn als Comedian bezeichnen. Es gibt für uns nur ein Problem, er spricht sauschnell – wie ein Viehversteigerer - und verschluckt noch viele Endungen. Ausserdem ist für manche seiner Gags Insiderwissen erforderlich, das fehlt uns. Es ist also nicht so einfach, ihn zu verstehen. Es gibt auch einige Gesangseinlagen, für uns zu wenig. Am Ende kommt der Nachbar vorbei und fragt, ob wir alles verstanden hätten. – Natürlich nicht. War trotzdem schön.